Dies ist die liberale Seite in Helenes Welt. Für die hier zitierten Auszüge und Verweise wird keine Haftung übernommen. Diskussionsbeiträge sind willkommen.

11 Juli 2006

Studiengebühren

  • Gute Gründe für Studiengebühren und die Privatisierung der Universitäten liefert Statler in seinem Blog.
    Privatisiert die Universitäten!
    Gepostet von Statler in Statler und Waldorf am 9. Juli 2006.
    http://www.statler-and-waldorf.de


    Eine Privatisierung wäre sicherlich erwägenswert, wenn sie mit einer Liberalisierung der Universitäten und dem Aufbrechen verkrusteter Verwaltungsstrukturen einherginge. Denn während die Ausstattung der Universitäten mit Lehrenden gleich geblieben ist, stieg die Verwaltungskapazität exponential an. Gegen eine Bezahlung von Bildung ist sicherlich schon deshalb nichts einzuwenden, weil jeder andere Bildungsgang auch kostenpflichtig ist. Egal ob ein Meisterlehrgang, ein später erworbener höherer Bildungsabschluß oder eine zusätzliche Qualifikation. Im Elfenbeinturm der Insel der kostenlosen Studierens sollte auch einmal über den Tellerrand gesehen werden.
  • Das einige dies partout nicht wollen und auch bei der Darstellung ihrer Argumente eher auf noelithische Mittel zurückgreifen, konnte gestern morgen an der Siegener Universität erlebt werden. Chaoten mit Knüppeln droschen auf die Tische im Sitzungssaal der Universität ein, um den Senat daran zu hindern, Studiengebühren von 500 € einzuführen. Die wenigen sehr gewaltbereiten Akteure waren den meisten nicht als Studenten bekannt und es wird vermutet, dass es sich um reisende Aktivisten handelt.
  • Studenten anderswo kostet dies ein Lächeln. Sie zahlen monatlich das doppelte bis dreifache.
  • Ministerpräsident und SPD Vorsitzender Beck wird nicht müde, gegen Studiengebühren zu wettern. Er möchte allerdings auch sein Land Rheinland-Pfalz vor dem Zustrom von Studenten aus anderen Bundesländern schützen. Übersehen, vergessen, ignoriert hat er, dass seine Universitäten schon die Lehrerausbildung für das Nachbarland Saarland übernehmen, da dort die Studiengänge eingestellt worden sind. Es ist populistisch und kurzsichtig, auf dieses Pferd zu setzen.
  • Warum also lassen wir nicht den Markt entscheiden? Angebote können angenommen oder abgelehnt werden. Die Politik sollte sich nicht anmassen, immer vordenken zu können. Wir brauchen keinen Nachtwächterstaat, sondern einen Staat, der wenige Rahmenrichtlinien vorgibt und den Rest die Menschen selbst regeln lässt.

22 Juni 2006

http://www.cartoonbank.com/newyorker/slideshows/060612on_soldiers.html#
… und sehen kann man auf der Homepage des New Yorkers:

Im aktuellen Heft (Im Bahnhofs-Zeitschriftenhandel für 10,50 € zu erwerben) sind die vollständigen Texte.
Danke David Harnash von den Freunden der Offenen Gesellschaft für diesen Hinweis.

  • Das Random House New York wird bald eine CD mit Fotos und Texten amerikanischer Soldaten im Irak publizieren. Sehr bewegende Eindrücke und zutiefst persönliche Sichtweisen auf den Krieg, den sie dort kämpfen müssen.
  • Wenn man diese Aussagen auf sich wirken lässt, wird man sehr klein und nachdenklich. Die Gedanken an das nächste Grillen, der Jubel für die Mannschaften bei der WM bleiben im Halse stecken. Für den Moment jedenfalls. Wenn man hört, dass ein frischgetrautes Paar die Flitterwochen im Irak verbringt und jede Zärtlichkeit untersagt ist und ihnen nichts bleibt als ein gemeinsames Frühstück auf einem alten Wasserfass in der Wüste.

20 Juni 2006

Schwarz-Rot Gelb bis heute Abend jedenfalls!

Yesterday, as a full-throated roar from hundreds of thousands of German football fans around the Brandenburg Gate, it signified something completely different. It was evidence that Germany was finally shrugging off the legacy of National Socialism and becoming a normal nation once more.

Not since the Third Reich has there been such a public outpouring of national pride, though this bears no comparison to the stage management of the Nazis.

After 60 years of inhibition and embarrassment, the national colours of black, red and gold are fluttering from every windowsill and car, shrouding brothels, town halls and high-speed trains.

In the television departments of supermarkets, men with tears in their eyes belt out the national anthem and the shop attendants join in. Young women are buying black-red-gold underwear so that every time a goal is scored they can raise their skirts and flash the flag. ...Some commentators have described this wave of patriotism as a cathartic moment. Others compare it with the impact on Britain of the death of Diana, Princess of Wales. Then, the British learnt to cry in public. Now, the Germans are learning to love themselves.

Perhaps the most startling development of the past fortnight is that Germans return smiles on the street — and not just because of a governmentsponsored Friendship campaign.

Orders for polyester German flags have overwhelmed German manufacturers and the Chinese factories where most are made. Normally German businessmen would be complaining about the poor quality of the Chinese competition but it has all been taken with good humour. Even Angela Merkel, the frequently dour Chancellor, has been caught up in the festival mood, loudly cheering the home side against Poland.

Will the euphoria survive after the final on July 9? One striking aspect of Germany’s football-inspired patriotism has been the number of immigrants openly supporting the national team. Turks talk about the German players as “our boys”. During the Angola/ Portugal game, German fans chanted: “Stand up if you’re German!” Ten thousand Angolans promptly did so.
http://www.timesonline.co.uk/article/0,,13509-2232896,00.html


  • Briten sehen es überhöht und zutiefst patriotisch. Ich glaube ncht, dass Deutschland in einen Diana Wahn gefallen ist, aber wir könnten mit unserem Flaggenzirkus alle anstecken.

http://bodowuensch.blogspot.com Ich bin Schwarz-Rot-Gold!


  • Die Selbstinszenierung und Eigendarstellung kann heute wieder neue Blüten treiben. Der eigenen Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt.
  • Bei den Teenies entscheidet aber eher das Styling, welche Nation trendig ist - Schwarz Rot Gelb ist da eher langweilig. Folgen wir der Jugend, dann sucht Deutschland demnächst die Superflagge.
  • Folgen wir der Party Jugend, dann will Deutschland nur eines: Feiern sich selbst und mit anderen. Da werden schon mal Straßen nachts blockiert und der "grün weiße Partybus" zum Mitfeiern eingeladen.
  • Was ist daran deutsch? Was normal? Was andauernd?


  • Für mich erscheint es eine von der FIFA organisierte Party, von der vor allen Dingen einer profitiert: die FIFA.

EU Wahnsinn? EU Weitblick!

Absurde Hilfe

Von Michael Fröhlingsdorf

Spiegel online http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,422232,00.html

  • Die Gelder der EU fließen in Kanäle, deren Windungen dem Bürger immer weniger durchschaubar erscheinen. Jetzt profitiert Hamburgs Speckgürtel. Das hat Methode: Hamburg und Lüneburg können Projekte schultern bei denen Gorleben sich verhebt. Eine bessere Infrastruktur möchte man dort auch nicht- wegen des Endlagers schon nicht. Anders Lüneburg. Hier freut man sich über jeden neuen Bürger, der die Wohnstadt entdeckt. Da kann dann bald eine Stadtautobahn mit Tunnel gebaut werden, man hat das Geld ja. Profitieren können dann auch die anderen davon, die armen Schlucker, die direkt vom Brüsseler Segen nichts mitbekommen, weil sie sich sonst daran verschlucken.
  • Wie bei anderen Projekten auch müssen wir den Tatsachen ins Auge sehen: es geht nicht um die Förderung strukturschwacher ländlicher Regionen, allenfalls später, wenn wie in Norditalien die Bürger ihre schon aufgegebenen Dörfer wiederbeleben, auf einer anderen Ebene, als Wellnessoasen mit Feng Shui und Kräuterhexen. Für Touristen eben.
  • Für die Infrastruktur gilt, was die Bahn vormacht. Die Magistralen stärken und den Rest abkoppeln. Von A nach B kommt jeder schnell und gut, wenn A Hamburg und B München, Berlin, Frankfurt oder Karlsruhe heißt. Wenn nicht, also Landau, dann kann man für den Rest des Weges gleich die Postkutsche, äh den Landauer, nehmen.
  • Was Brüssel macht hat Sinn, für Europa, für Hamburg und auch für Lüneburg. Wir müssen es nur durchschauen.

08 Juni 2006

Hartz IV

SOZIALLEISTUNGEN

Beck fordert mehr Anstand von Hartz-IV-Empfängern

Der SPD-Chef Kurt Beck hat einen Mentalitätswechsel bei Empfängern von Sozialleistungen angemahnt. "Man muss nicht alles rausholen, was geht", kritisierte er. Besonders die Hartz-IV-Regelungen hätten Möglichkeiten geschaffen, die die Politik zuvor nicht richtig abgesehen habe.
(...)
Es gebe Dinge, die mache man nicht. "Wer gut verdient und keine Steuern zahlt, muss nicht auch noch Bafög für die Kinder beantragen. Wir dürfen die Verantwortung für die Gemeinschaft nicht so vor die Hunde gehen lassen." Man müsse nicht alles rausholen, was geht.

Weiter dazu Spiegel online, focus online, die sich auf ein Interview in Die Welt berufen.

  • Der gute Mann aus Steinfeld hat nicht ganz unrecht. Nur sollte er nicht immer auf die das Sozialsystem finanzierende Klientel schlagen. Was ist mit denen, die nur abschöpfen was ihnen zusteht oder was ihnen in den Schoß fällt, weil die Politiker Fehler gemacht haben?
    Man muß nicht alles rausholen, was geht..
  • Sollen die Sozialleistungen nur Angebote sein, die denen zufallen, die wirklich bedürftig sind? Was ist wirklich bedürftig? Wenn Kinder mit 18 Jahren in die Einliegerwohnung der Eltern ziehen, definiert Beck dies als Ausnutzung der Hartz IV Möglichkeiten über den Anstand hinaus.
    Wenn Kinder eine eigene Wohnung beziehen, deren Eltern keine Einliegerwohnung besitzen, ist dies kein Mißbrauch.
    Wer ist also schuld: Die Eltern, die dumm genug waren Bausparverträge abzuschließen.
    Klug sind Eltern, die alles konsummieren und dann die Leistungen des Staates zu Recht abschöpfen.
  • "Wer gut verdient und keine Steuern zahlt, muss nicht auch noch Bafög für die Kinder beantragen. Wir dürfen die Verantwortung für die Gemeinschaft nicht so vor die Hunde gehen lassen."
    Da ist der Feind!! Halali! Gilt in Deutschland nicht nur für Bruno, den Bär. Gleich mit dabei: die gut Verdienenden.
    Wo fangen die an? Jenseits vom Ministerpräsidentengehalt?
    Die keine Steuern zahlen. Komisch, ich kenne welche mit Grenzsteuersätzen bei 50%. Machen die etwas falsch.
    Und dann auch noch Bafög für die Kinder beantragen.
    Jetzt ist das Feindbild solide installiert, die politische Lufthoheit an den Fußballstammtischen gesichert. Mehr wollte Herr Beck nicht.
    Bei den gutverdienenden Steuerzahlern schleicht sich ein ungutes Gefühl ein. Aber an dieser Wählerschicht ist Herr Beck nicht interessiert. Das Klientel der SPD ist da, wo diese Feindbilder ein Echo finden. Weiß Herr Beck das?
    Merkt Herr Beck nicht, was er da anrichtet. Oder demetiert er morgen, er habe es nicht wissen können, dass er schon in der Pfalz so mißverstanden werden kann?
    Immer mal einen Ballon starten, gucken was Freund und Feind so meint und dann pffft, die Luft raus lassen.
    Damit ist Politik wirklich keine Alternative mehr.

    Weniger Staat - mehr Freiheit für die Bürger - Abschaffung der Bürokratie -

02 Juni 2006

Einsätze der Bundeswehr

  • Der Bundestag hat gestern den Einsatz der Bundeswehr im Kongo beschlossen. Gegen die Stimmen der FDP und einiger Politiker der Großen Koalition sowie der Linkspartei. vom Kongo soll ein Zeichen für ganz Afrika ausgehen, so die Begründung.
  • Welches Zeichen?
    • Von Afghanistan sollte auch ein Zeichen ausgehen für die Region, die Moslems die friedliebende Bevölkerung.
    • Vom Irak sollte ein Zeichen ausgehen für die Region, die Moslems und die friedliebende Bevölkerung.
    • Und jetzt der Kongo. Was können die wenigen Soldaten, auch die anderen Euopäer mitgerechnet denn dort ausrichten? Wenn alles ruhig bleibt, zeigen sie Flagge für die UNO und wenn nicht? Stehen sie im Regen wie auf dem Balkan, in Afghanistan, im Irak ohne eine durchführbare und auch für sie sichere Planung für den Ernstfall. Bleiben länger und kehren unter Verlusten heim.

Die Politik hat symbolisch die Solidarität mit Afrika gezeigt. Wie auch an den anderen Orten. Die Karikatur in der heutigen Rheinpfalz kann auf die westliche Welt übertragen werden: Nicht nur Amerika ist die Kraft, die stets das Gute will und doch das Böse schafft. Die UNO, damit die westliche Welt läuft Gefahr zu einer solchen Kraft zu werden.
Symbolische Politik mit einer Handvoll Soldaten läuft nicht in Afrika und auch nicht in Afghanistan oder im Irak. Es ist ein Irrglaube, dass der Rest der Welt auf die Segnungen der Demokratie wartet. Der Rest der Welt wartet auf die Segnungen des Wohlstandes, der Entwicklung, der Bildung ..... ...... und dann des Friedens, der Demokratie, der Gleichberechtigung.
Und einige Staaten können es vormachen.
Brasilien z.B., nicht der Bandenkrieg in SaoPaulo, sondern die Aethanolindustrie und die Flex-Motoren in den Autos. Kleinflugzeuge, die mit 100% Alkohol fliegen.
Und auch die Revolution in der Landwirtschaft: Strohunterlagen zur Unkrauteindämmung statt chemische Keule. Ein paar pfiffige experimentierfreudige Agrarexperten und es läuft. Da ist eine zukunftsweisende Entwicklung in der westlichen Welt verschlafen worden.
Das ist es, was George Bush meint, wenn er vollmundig den Umstieg der Amerikaner auf umweltfreundliche Technologien verspricht.
Unsere Zuckerrübenbauern hätten auf Jahrzehnte die Märkte gesichert, statt dessen schotten wir uns ab und lutschen Lutscher.

So kann es gehen, wenn wir übersehen, was woanders läuft. Dann zieht die Entwicklung an uns vorbei. Wir reiben uns verwundert die Augen.

Wir sollten uns daran erinnern, was wir können und wo wir helfen können. Statt symbolischer Politik der Drohgebärden und vermeindlichen Schutzangeboten sollten wir Hilfe zur Selbsthilfe geben, die Märkte öffnen, den Wettbewerb befördern und gemeinsam die Probleme dort lösen, wo es geboten ist.

31 Mai 2006

Der Grölibaz*

Der Grölibaz*
mit den besten Empfehlungen an Günther Jauch für kurzweiliges Raten oder intelligentes Erklären.
An alle Leser: Was ist ein Grölibaz?

a) Größste Libelle à Zeuxis b) Größster Libero aus Zambia
c) Größste Libation aller Zenturien d) Größster Liberaler aller Zeiten
Erst raten, dann nachsehen bei:

http://bodowuensch.blogspot.com

Vielen Dank für die kurzweilige Unterhaltung dorthin.

30 Mai 2006

Bildungspolitik

Can't Complete High School? Go Right Along to College

Published: May 30, 2006
Die New York Times untersucht den Erfolg von College Absolventen ohne High School Abschluß und kommt durchweg zu positiven Ergebnissen. Einmal für den Abschluß interessiert, versagen wenige. Natürlich gab es anfangs Mißbrauch, da sich die Colleges über diese Klientel sanieren wollten. Denn die meisten bekommen staatliche Unterstützung.
Wäre dies eine Lösung für die Bildungsverweigerer hierzulande. In vielen Fällen handelt es sich um intelligente Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen, dem Bildungssystem den Rücken kehren. Sind sie einmal abgehängt werden sie im System bis ins Berufsbildungsjahr durchgereicht. Oder lassen sich durchreichen.
Alternativ also: Einstieg in die nächst höhere Ebene als Chance der Bewährung?

Arbeit in Deutschland

Lebe, um zu arbeiten! http://bodowuensch.blogspot.com

  • Angela Merkel konstatiert eine "nicht hinnehmbare Lehrstellenlücke" und reagiert damit auf Verlautbarungen der Bundesagentur für Arbeit, die dortselbst schon wieder zurückgenommen werden. Da hilft auch keine Stellungnahme der IHKs, dass 2% mehr Lehrstellen angemeldet sind.
    Darum geht es auch nicht:
    • Das Feindbild Wirtschaft soll erneut und mal wieder an den Pranger gestellt werden.
    • Jugendlichen ist nicht zuzumuten, sich eine Lehrstelle zu teilen, um die Kosten der Ausbildung zu senken.
    • Die Kosten für die Arbeitgeber werden als Peanuts betrachtet. Heuschrecken brauchen keine Entlastung.
    • Eine Verschlankung der Bürokratie steht nicht zu erwarten, statt dessen aller Orten neue Regelungswut. -> die Bürokratie produziert ihre eigene Arbeit.
Nicht hinnehmbar ist die Knebelung der Wirtschaft und der Arbeitswilligen. Hier ist Entlastung dringend geboten.
  • Ein vielsagender Bericht über Deutsche Arbeitnehmer in Österreich, Maler, Kellner und so weiter. Nicht nur Saisonarbeiter, sondern langfristig Arbeit findende.
    • Können wir es uns leisten, die Ausbildung zu finanzieren, um die qualifizierte Arbeit dann zu exportieren, weil hier selbst die Behörden Dumping Angebote einholen, die ein deutscher Handwerker zu deutschen Konditionen nicht annehmen kann? Das ist es, was falsch läuft.
    • Es gibt sie die Arbeitswilligen in Deutschland und sicher würde der Maler mit breiter Berliner Schnauze lieber dort als in Österreich arbeiten. Aber die Österreicher empfangen ihn freundlich, hilfsbereit und nett und bieten ihm, was Deutschland ihm nicht bieten kann: Arbeit.
  • Arbeite, um zu leben, ist sicherlich nicht das Motto dieser Menschen. Lebe, um zu arbeiten, schon eher. Sie verwirklichen ihren Traum vom Leben, wenn nicht hier dann eben anderswo in der Welt und zeigen, was die deutsche Politik noch immer nicht zur Kenntnis nehmen will: auch Arbeit ist ein scheues und mobiles Gut.
  • Arbeite nicht, aber lebe trotzdem gut.
Auch das gilt in Deutschland. Eine nicht zu unterschätzende Zahl der Bürger hat die Qualifikation, die Schlupflöcher des Sozialstaates im eigenen Interesse auszusondieren. Wo die Löcher sind, werden sie genutzt, so ist es eben.
Abhilfe schafft da nur ein ganz dünnes Regelwerk. Um Himmels willen kein Jahrhundertwerk. Das produziert nur Bürokratie und hält selbige in Arbeit. Nein, wie schon öfter wieder Wilhelm Röpke: Alle Regelungen auf ein Minimum herunterfahren und dem Markt den Ausgleich überlassen.

Lest Wilhelm Röpke vom 11. Mai 2006

29 Mai 2006

Definition Neoliberal

stefanolix
29.05.2006 | 13:40


Neoliberale sind keine exakt greifbare politische Gruppe. Ich habe ja eher den Eindruck, dass zu den “Neoliberalen” auffällig viele Leute gezählt werden, die folgende Eigenschaften auf sich vereinen:
- sie sind bereit und in der Lage, wirtschaftlich zu rechnen,
- sie sind bereit und in der Lage, rational zu denken,
- sie gehen unangenehmen Entwicklungen nicht aus dem Weg,
- sie betrachten zuerst die Leistungsträger[*] und dann die Leistungsempfänger,
- sie beurteilen Menschen und Gesellschaftsordnungen meist zuerst nach liberalen Werten, Erfolg und Leistung,
- sie sehen die Welt so wie sie ist und nicht wie sie sein sollte.

Zu den eher problematischen Eigenschaften der Neoliberalen gehört ihr nicht immer allzu gut entwickeltes Gefühl für Diplomatie. Ihr Gerechtigkeitsbegriff ist nicht überall mehrheitsfähig und in bestimmten sozialen Fragen haben sie einen gewissen Nachholebedarf. Da sie aber auch als sehr lernfähig gelten und für die Verwirklichung ihrer Ziele Koalitionen eingehen müssen, können diese Eigenschaften hingenommen werden.

;-)

[*] Um Missverständnissen vorzubeugen: Leistungsträger erbringen mit ihrer Arbeit die finanzielle Grundlage für die Verteilung von (Sozial)Leistungen.

Zur näheren Definition sei somit aufgerufen.

Moisés Naím schrieb in der Sonntagsausgabe der Washington Post:

Governments and citizens are used to thinking of a border as a real, physical place: a fence, a shoreline, a desert or a mountain pass. But while geography still matters, today's borders are being redefined and redrawn in unexpected ways. They are fluid, constantly remade by technology, new laws and institutions, and the realities of international commerce -- illicit as well as legitimate. They are also increasingly intangible, living in a virtual and electronic space.

Plump auf Pump

Nicht nur in Deutschland gilt für den Staat wieder das Prinzip: Kassieren ist besser als reformieren.

26 Mai 2006

Gegen Sprachausrutscher

http://www.derbraunemob.de


Eine Internetseite schwarzer Deutscher, die gegen Rassismus in der Sprache antreten will und jeden um Unterstützung bittet, wenn er in den Medien auf Sprachungenauigkeiten und verletzenden Äußerungen stößt. Sie verleiht in diesen Fällen die braune Karte.

Wenn die Zunahme der Agressionen der blindwütigen Kahlgeschorenen gesehen wird, ist ein sehr behutsamer Umgang mit den Worten der deutschen Sprache das erste, was getan werden kann, um diesen Strömungen den Boden zu entziehen.

Mehrwertsteuerabstimmung

FAZ Net meldet:

Wie die Zeitung(Bild-Zeitung) meldet, stimmte laut Bundestags-Protokoll der CDU-Abgeordnete Reinhard Göhner für das Steuerpaket, obwohl er zum Zeitpunkt der Abstimmung nicht an der Sitzung teilgenommen habe und nachweislich auch nicht in Berlin gewesen sei. Göhner, der auch Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ist, hatte einen Fernsehauftritt in München. Der CDU-Politiker bestätigte demnach, daß er bei der Abstimmung verhindert und entschuldigt gewesen sei.

„Nur eine saubere Lösung“

Dagegen soll der CDU-Politiker Jochen-Konrad Fromme laut Protokoll nicht an der Abstimmung teilgenommen haben. Er versicherte der Zeitung aber, daß er unter Zeugen abgestimmt habe.

Niebel sagte: „Wenn es bei der Mehrwertsteuer-Entscheidung zu diesen Unregelmäßigkeiten gekommen ist, gibt es nur eine saubere Lösung: Die Wiederholung der namentlichen Abstimmung im Bundestag.“


War es eine Verwechselung? Oder passiert das öfter und keiner schaut hin?

25 Mai 2006

Afghanistan

In Times online zu Afghanistan zu lesen:


The 1,500 British troops in Helmand have already encountered violent opposition from the resurgent Taleban and there is no doubt that allied operations have reached a critical phase. And as more troops prepare to deploy in the rebellious south, Nato governments must brace themselves for a long haul if they are to underpin the country’s fragile democracy and prevent a relapse into extremism, lawlessness and narcoterrorism. British commanders knew that the deployment in the south would be tough and are well prepared, unlike some of the other Nato troops, who are lightly armed and whose home governments have given only wavering support to the operation.
(...)
All 34 Afghan provinces are now affected by what United Nations officials call the “drug cultivation tragedy” — though they tend to exaggerate the extent of the problem. Ideally, a larger Nato force and much more money will be needed if peasants are to be weaned from growing poppies. Troops needed to help to destroy the crops and hunt down the drug gangs; and huge investment in irrigation, transport, agriculture and welfare is vital over the long term if poverty-stricken Afghans are to be persuaded to cultivate other crops.

Meanwhile, several issues must be addressed urgently. The first is to stop Pakistan becoming a haven for the Taleban. Increasingly, fighters are slipping across the border to resupply their forces, while Islamabad appears unwilling or unable to take action. Secondly, aid and reconstruction in the countryside must be stepped up to prove to citizens that a brighter future is within reach. Finally, Nato should define its mission more precisely. Afghanistan will be tough, but Britain, and others, must tough it out.


Ein langer und kostenintensiver Einsatz also, für den die NATO immer noch keinen Plan hat.

Politisch korrekt

gefunden in Times online

Pride in the Swastika by Richard Lloyd Parry


This year a troupe of the dancers will perform in Germany, to support their national team in the World Cup and promote a new Japanese film. There is one problem - the image seen in red in the bottom right of this photograph (by Kyodo) of an Awa Odori dancer.

Swastika_1

The Awa Odori dancers flaunt the swastika, the hated emblem of Nazism and a symbol of evil to people all over the world.

Not that the Awa Odori dancers are neo-fascists, of course. The swastika has been used all over the world for millennia. In Japan, it is often seen on Buddhist temples; in Tokushima, it was taken as the crest of the local Tokushima daimyo, or regional warlord, Yoshishige Hachisuka in the 16th century, which is how it found its way on to the dancers's costumes. But now the Tokushima authorities have taken the decision to remove the swastika for their European tour.

Vorsorglich haben aber die Behörden schon das Zeichen von den neuen Tanzkleidern verbannt. Politisch korrekte Kleidung für die Europatournee.

Neues vom Braunbären

  • Zum Abschuß freigegeben zu lesen bei Karsten Dürotin:

Okay, ich denke ja, als das letzte Mal ein Brauner von Österreich hierher kam, um hier einen riesigen Wirbel zu veranstalten, der mit Mord und Totschlag endete, hätte man ihn vielleicht auch besser rechtzeitig erschossen. Aber der Bär tut mir trotzdem leid. Der will ja auch nur leben…

Nachtrag: Beim FR-Blog war FreiRaum eine knappe Stunde früher mit ungefähr der gleichen satirischen Anmerkung - er hat aber auch noch mehr dazu zu sagen. Mist, hätte ich das doch gleich gestern gebloggt, als es mir einfiel…

  • Don't shoot! That bear is heading for the border


Death threat sparks diplomatic rift

zu lesen in der Times online.

Der arme Bär stiftet internationale Verwicklungen und stürzt die Jäger in Österreich, Deutschland und Tirol in Panik. Insbesondere, wenn bedacht wird, dass die Jagd- und Weiderechte dort seit Jahrhunderten verbrieft sind und sich nicht den Deut um die aktuellen Staatsgrenzen scheren. Was ist wenn der Bär im tiroler Jagdrevier auf österreichischem Staatsgebiet von einem verirrten deutschen Jäger erlegt wird.
Wer bekommt dann den Pelz?

24 Mai 2006

Scherbengericht

Eine Abrechnung mit dem politischen Aktionismus und symbolischer Politik lässt sich beim Blick über den Tellerrand finden:

ALICE MILES:

The madness of King Tony heute in der Times online.

So mancher deutsche Politiker böte auch ein gutes Beispiel. Die Vertreter der Position "Steuererhöhung ist gut fürs Volk. Wir geben euer Geld aus, denn wir trauen euch zu, dass ihr spart."
Und dann die Tatsache, dass zur Abstimmung über die Steuererhöhung gerade mal 148 Parlamentarier am Freitagabend noch im Plenarsaal weilten. Die Abstimmung mit den Füßen zeigt den Verdruß an der Regierung. Nur das Parlament sollte die Regierung kontrollieren. Eine große Koalition bedeutet nicht: Augen zu und durch. Auch nicht Klappe halten und mitgehen. Eine große Koalition bedeutet die Verantwortung tragen für Entscheidungen, die bahnbrechender sein könnten, als die Entscheidungen kleinerer Mehrheiten. Weglaufen und die Regierung machen lassen, ist der falsche Weg und spielt nur denen in die Hände, die der Demokratie nichts mehr zutraun.
Also hin und die Meinung sagen. Auch wenn es den Platzhirschen nicht gefällt. Oder - andere ans Ruder lassen. Aber sich wählen lassen und dann wegbleiben, gilt nicht.

18 Mai 2006

Unerträgliche Forschung

Posted by Statler on May 18th, 2006

Zu den linksradikalen Anschlägen in Hamburg auf das Auto des Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Straubhaar.

Da kann nur uneingeschränkt zugestimmt werden. Der von mir als Lesestoff empfohlene Wilhelm Röpke ist als einer der ersten deutschen Professoren seiner Professur beurlaubt worden und mit anderen als aufbauender Gastprofessor in die Türkei und danach in die Schweiz immigriert. Seine Werke wurden im Untergrund verschlungen und in Bombennächten von Theodor Eschenburg auch Ludwig Ehrhard nahe gebracht. Aber der renommierte Wirtschaftsberater der Weimarer Republik und später der jungen Bundesrepublik Deutschland war den Nazis so verhaßt, dass sie ihn baten, die Heimat zu verlassen.

Wer sich an den etwas antiquiert anmutenden Stil gewöhnen mag, wird viele kluge Gedanken finden, die auch heute noch aktuell sind.

Die Tageslosung im Samizdata Blog:

Experience teaches us to be most on our guard to protect liberty when the government's purposes are beneficent.
- Louis D. Brandeis


Dem kann sich jeder doch nur anschließen.

Seit der Wende sind 16 Jahre ins Land gegangen, manche Skinheads und Neo-Nazis, die Schwarze verprügeln oder vietnamesische Imbissbuden anzünden, sind jünger als das neue Deutschland. Das bedeutet auch: 16 Jahre wurde in der Bundesrepublik viel zu wenig getan, um des Problems Herr zu werden. Das Ergebnis: In manchen Gegenden Ostdeutschlands verfügen Nazis über das, was der marxistische Philosoph Antonio Gramsci einmal kulturelle Hegemonie genannt hat. Das ist ein permanenter Skandal, und er hat mehr mit der politisch-korrekten Feigheit und der Blindheit der Bundesrepublik als mit der DDR zu tun.

Es ist deshalb höchste Zeit, Tacheles zu reden. Uwe Karsten Heye hat es kurz versucht und dann, wohl ebenfalls aus Gründen der politischen Korrektheit, wieder gekniffen. Immerhin: Was er gesagt hat, wird nicht falsch, nur weil er es wieder dementiert. Ich jedenfalls kenne niemanden, der guten Gewissens einen dunkelhäutigen Freund ermuntern würde, nachts bestimmte Stadtteile von Magdeburg, Halle oder Rostock zu besichtigen. Auch in Berlin gibt es längst No-go-Areas für Ausländer. Wir haben uns alle daran gewöhnt. Nun hat es mal jemand laut verkündet. Und alle sind erschrocken - auch der, der es aussprach.


So heute der Kommentar in Spiegel online von Claus Christian Malzahn.

Es ist wohl auch Zeit zu handeln, und diejenigen in die Schranken zu weisen, die meinen, Frustrationen über entgangene Lebensträume an andersfarbigen Menschen austragen zu müssen. Wenn diese dann auch noch wie in Abschiebung am 10.05.06 geschildert sozial nicht nur integriert sondern auch engagiert sind, dann auch durch Behörden sanktioniert. Da könnte ein Zeichen gesetzt werden: Für ein neues Miteinander, gegen Rassismus. Und denen in ihrer dumpfen Nebenwelt könnte gezeigt werden, was viele andere aus den östlichen Bundesländern tun: sucht euch Arbeit in Skandinavien, Island, Österreich oder sonstwo. Packt euer Leben an und macht was draus. Vom Tellerwäscher zum Millionär gilt nicht nur für die USA. Nur. die meisten, die davon träumen, Millionäre zu werden, wollen dies sofort sein; fürs Tellerwaschen halten sie sich zu fein.